Easter Sunday Roast
Was macht man an einem regnerischen Ostersonntag? Man kocht ein traditionelles Sunday Roast. Haltet Papier und Stift bereit, hier kommt die Anleitung:
Um ein Roast zu kochen, braucht man erst einmal einen Klumpen Fleisch. In diesem Fall Schwein. Dieser Klumpen muss im Ofen rösten. Lange. Um dennoch zur Mittagszeit essen zu können, muss der Klumpen möglichst früh in den Ofen. Also stellt man sich den Wecker auf 8.30 und steht, nachdem man um 8.21 von seinen Eltern mit einem Telefonanruf geweckt worden ist, auf, stolpert in die Küche und macht erstmal Kaffee. Gleichzeitig plaziert man den Klumpen auf ein Ofen-Pfannen-Blech-Dingens und salzt. Das heißt für mich Deutsche im Klartext: Nachsalzen. Das hat jetzt nichts mit Nationalitäten zu tun, sondern…mit Nationalitäten. Ich salze nach, kassiere einen geschockten Blick aus der englischen Ecke und stelle das Salz verschähmt wieder in den Schrank. Mir wird gesagt, ich solle Apfel schälen. Auf meine Frage, ob das nicht bis nach dem Kaffee Zeit hätte, bekomme ich die Antwort: “No”. Aha. Ich schäle im Halbschlaf Äpfel und sehe zu, wie Chris ein Glas Rotwein, Redcurrent Jelly, Wasser und Fleisch-Fond aufsetzt. Das müsse jetzt mindestens drei Stunden köcheln. Nee, is klar. Die Apfel kommen in einen Topf mit Wasser und ein bisschen Honig. Apple Sauce with the Pork. Ich riskiere einen Blick auf die geöffnete Flasche Wein und frage mich, ob 9.15 zu früh ist, zu trinken. Chris schaut amusiert. Worauf habe ich mich da eingelassen. Claire stolpert in die Küche und schaut verwirrt auf die zwei Töpfe auf dem Herd, wirft einen Blick in den Ofen und macht stumm Tee. Ich erinnere mich an meinen Kaffee und will gerade aus der Küche ins Bett verschwinden (Chris intoniert sein mittlerweile berühmtes ‘ca va’ in Richtung Claire), als ich mehr oder weniger sanft an der Kapuze meiner Jacke zurückgehalten werde (Claires Antwort war kürzer als erwartet). Das Gemüse müsse noch geputzt werden und die Kartoffeln geschält und vorgekocht. Danach wären die Vorbereitungen aber abgeschlossen und wir müssen nur noch ab und zu nach dem Fleisch schauen. Das klingt gut. Claire und ich schnippeln wie die Weltmeister, Chris schaut nach dem Fleisch, der apple sauce und fügt weitere geheime Zutaten zu seiner Rotwein-Gravy. Um 10.15 setzen wir uns endlich an den Tisch und frühstücken: Ich Müsli mit Banane, die beiden anderen eine Zigarette. Freizeit bis 11.30. Dann werden die vorgekochten Kartoffeln in den Ofen geschoben und das Gemüse aufgesetzt. Das Fleisch brutzelt vor sich hin und wird ab und zu begossen. Die reduzierte gravy wird nochmals mit jelly und Wein aufgegossen, ein bisschen Fleischsaft und Gemüsekochwasser wird hinzugefügt. Ich beleidige Chris zutiefst mit meiner Frage, ob es der ganze Aufwand denn überhaupt wert sei. For a sauce. “That’s gravy, no sauce.” Ich gehe in mein Zimmer und konsultiere Oxford Advanced Learners Dictionary. Ein 1. Staatsexamen in Englisch und dann diese Unkenntnis. Chris vergibt mir meine Ignoranz und wir haben massig Spaß beim Yorkshire Pudding Zusammenrühren und beim Marmelade Pudding Zusammenrühren. Das Fleisch brutzelt immernoch köstlich vor sich hin, die Ofenkartoffeln werden ofiger und Chris, Claire und ich diskutieren, ob das Gemüse nach englischer oder europäischer Art gekocht werden soll. Wir einigen uns friedlich auf einen Mittelweg: leicht überkocht aber noch erkennbar. Dann treten wir in die heiße Phase ein, litterarily. Öl wird in den Yorshire Pudding Förmchen gegossen und stark im Ofen erhitzt. Der Teig wird schnell hineingegossen, sofort wieder in den Ofen geschoben und 15 Minuten nicht angeguckt. Öffnet man den Ofen, dann hat man entweder eine verbrannte Masse oder Yorkshire Pudding. Wir hatten Yorkshire Pudding. Mittlerweile ist auch der Rest fertig und wir können….yeah….essen!
Während wir essen, backen die Marmelade Puddings, die dann anschließend mit custard serviert werden.
Ein sehr lustiger Ostersonntag, an dem wir dann, wer hätte es gedacht, nicht mehr viel gemacht haben.
Ach ja: Ein paar Tage vor Ostern haben wir am Wegrand folgende Szenen beobachten können…hmm…ich sag besser nichts mehr.
April 3, 2008 at 4:19 Uhr nachmittags
Yummi! hmmmmm :O) *zahn tropf* hmmm….
April 6, 2008 at 4:49 Uhr vormittags
Chris raucht ?? Zum Frühstück? Muaaaaa ….
Ansonsten klingt das ja ganz lecker - und der Klumpn brutzelt wirklich nur die ganze Zeit im Ofen? Nicht vorher anbraten oder so? Einfach von Status roh bis Status gar im Ofen lassen? Wird das nicht trocken?
Naja, im Grunde ist das auch nur ein “Schweinsbraten” und der wurde in Bayern erfunden … :o)
Lex
April 7, 2008 at 7:21 Uhr nachmittags
Nee, da muss man nix anbraten…einfach rin in den Ofen und laaaange drin lassen…und ab und zu begießen. Trocken? Naja, war dann halt durchgebratenes Fleisch…ach, ich kenn mich doch nicht aus mit bayrischen Schweinsbraten bzw. englischen Roasts